3D-Drucker für Röntgentechnik-Spezialisten

Neue Anlage der Wolf Medizintechnik GmbH in St. Gangloff ist Ergebnis eines Ostthüringer Wissenstransfers 

St.Gangloff/Jena 

Die Wolf Medizintechnik GmbH in St. Gangloff hat am Donnerstagnachmittag in feierlichem Rahmen einen speziellen 3D-Drucker für medizinische Anwendungen in Betrieb genommen. Das von der BURMS-3D Druck Jena GmbH & Co. KG hergestellte Gerät erlaubt ein neuartiges Herstellungsverfahren für Komponenten eines Röntgentherapiegerätes. Bei der offiziellen Übergabe im Beisein des Thüringer Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte Burms-CEO Uwe Brick, es handele sich seiner Kenntnis nach um die weltweit erste 3D-DruckAnwendung, bei der die gedruckte Komponente - ein Applikator aus Kunststoff, der die hochenergetische Strahlung durchleiten kann - für den Kontakt mit einer Operations-wunde, etwa nach einer Krebs-Operation, geeignet ist. Die Wolf Medizintechnik GmbH ist ein spezialisierter Ausrüster für Geräte und Anlagen der radiologischen Diagnostik und Therapie und wurde im Jahr 2017 von der Eckert & Ziegler Bebig GmbH übernommen.

 

Kostengünstigere/Produktion

Der stellvertretende Betriebsleiter der Wolf Medizintechnik, Christoph Kaufmann, begrüßte die Gäste und ließ unter anderem die Funktion des 3D-Druckers vorführen. Der übermannshohe, dunkelgraue Apparat erinnert optisch an einen großen Kühlschrank, doch im Inneren arbeitet Hochtechnologie im Wert von mehreren Zehntausend Euro. Gedruckt wird die Spitze, der Röhrenkopf, eines speziellen Strahlentherapiegerätes mit einem Feder-arm. Dieses Teil musste vorher in einem deutlich aufwendigeren Verfahren hergestellt werden, bei dem Einzelteile aus unterschiedlichen Materialien verklebt wurden. Im Rahmen des gemeinsamen Projektes mit der BURMS 3D-Druck GmbH wurde nun extra ein 3D-Drucker für die Herstellung dieser Objekte modifiziert. Der 3D-Druck ermögliche die Produktion der Komponente in einem Prozess. Damit sei die Lö-sung kostengünstiger und verspreche eine längere Lebensdauer. Bei der Entwicklung des Druckverfahrens galt es demnach, vielfältige Herausforderungen zu bewältigen - etwa hinsichtlich des Materials und des Prozesses. Mitarbeiter der Wolf Medizintechnik unterstrichen eine weitere Besonderheit: Mit verdruckt wird ein RFID-Chip. Damit seien die ein-deutige Identifizierung und der Nachweis über Einsatzhäufigkeit und dauer möglich sowie eine automatische Information, wann die Komponente ausgetauscht werden muss. 

 

Werkstattgespräch als Ausgangspunkt für Kooperation

Ausgangspunkt der Entwicklung war laut Kerstin Michalke vom an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena angesiedelten Ableger des Mittel-stand-Digital Zentrums Ilmenau ein Werkstattgespräch, welches in Zusammenarbeit mit der IHK Ostthüringen zu Gera durchgeführt wurde. Evelin Barth von der IHK berichtete, die Kooperation sei 2019 initiiert worden. Alle Beteiligten berichteten von einer fruchtbaren Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft und einem erfolgreichem Technologietransfer. Auch Wirtschaftsminister Tiefensee lobte das erfolgreiche Projekt als interdisziplinäre Anstrengung: ,,Ein Beispiel dafür, wie Netzwerke in Thüringen Früchte tragen." Er hob hervor, wie wichtig es sei, aus erfolgreicher Forschung und Entwicklung letztlich auch marktreife Produkte zu schaffen und somit Wertschöpfung zu generieren. 

 

Quelle : OTZ , Martin Schöne

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